Bei kooperativen Brettspielen verfolgen alle ein gemeinsames Ziel und gewinnen oder verlieren zusammen. Der Vergleich untereinander wird weniger wichtig. Trotzdem kann es Streit geben, und einzelne Mitspielende können die anderen übergehen. Wählen Sie ein passendes Spiel, verteilen Sie Entscheidungen und bleiben Sie bei Konflikten ruhig.
Legen Sie vor dem Start fest, wer entscheidet und wie die anderen Vorschläge machen. Wechselnde Aufgaben und klare Gesprächsregeln sorgen dafür, dass alle mitreden können, ohne dass eine Person die Züge der anderen übernimmt.
Warum Kooperation Streit nicht verhindert
Ein gemeinsames Ziel kann das Verlieren angenehmer machen. Eine Studie mit 65 Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren fand, dass die Kinder kooperative Brettspiele lieber mochten als Spiele, bei denen sie gegeneinander antraten. Nach sechs Wochen zeigten sich zwischen den Gruppen jedoch keine Unterschiede bei den untersuchten kooperativen, prosozialen oder antisozialen Verhaltensweisen. Die Forschenden fanden auch keine Bestätigung für frühere Hinweise auf mehr Aggression nach Spielen, bei denen Kinder gegeneinander antreten.
Andere Untersuchungen zeigen, dass die konkrete Spielsituation eine Rolle spielt. In einer Studie mit 40 Kindern zwischen sechs und neun Jahren führte ein gemeinsam gespieltes Lernbrettspiel zu mehr positiven Kommentaren und kürzeren Zügen als dieselbe Spielidee im Einzelmodus. In einer Untersuchung mit 96 Kindern im Alter von vier bis fünf Jahren teilten die Kinder nach einer kooperativen Spielrunde anders mit Personen, die nicht mitgespielt hatten. Beim Einbeziehen anderer und im anschließenden freien Spiel zeigte sich kein Unterschied.
Diese Ergebnisse betreffen bestimmte Kindergruppen und Spielsituationen. Sie belegen nicht, dass kooperative Spiele Kinder dauerhaft rücksichtsvoller machen oder Konflikte in Familien zuverlässig verhindern. Sie zeigen eher: Gemeinsames Spielen kann Gespräche und geteilte Erfolge begünstigen. Ob alle beteiligt bleiben, hängt auch davon ab, wie die Runde abläuft.
Wählen Sie ein passendes Spiel
Achten Sie darauf, ob alle am Tisch die Regeln verstehen und während der Partie etwas zu tun haben. Wenn jüngere Kinder lange auf ihren Zug warten oder den Spielverlauf kaum überblicken, entsteht Frust leicht aus Überforderung oder Langeweile. Wählen Sie für eine gemischte Runde ein Spiel, bei dem die Aufgaben verständlich sind und die Entscheidungen nicht dauerhaft bei einer Person liegen.
Klären Sie vor dem Start außerdem, wie lange die Partie ungefähr dauert und ob die Gruppe jederzeit pausieren darf. Ein Kind darf aufhören, wenn es müde ist oder nicht mehr mitspielen möchte. Das gemeinsame Ziel rechtfertigt keinen Zwang zur Teilnahme.
Achten Sie auch auf den Schwierigkeitsgrad. Eine knappe Niederlage kann zum Spiel gehören, doch eine Partie, die sich für die Kinder aussichtslos oder unverständlich anfühlt, macht gemeinsames Planen schwer. Die Forschung belegt nicht, welche Schwierigkeitsstufe Streit in Familien am besten verhindert. Orientieren Sie sich daran, ob die Kinder die Regeln selbst anwenden und ihre Entscheidungen nachvollziehen können.
Lassen Sie Aufgaben wechseln
Geben Sie Kindern kleine Aufgaben, die in der nächsten Runde wechseln. Ein Kind liest die Ereigniskarte vor, ein anderes bewegt die Spielfigur, ein drittes fasst die gemeinsamen Möglichkeiten zusammen. So übernehmen alle sichtbar einen Teil der Partie, ohne dass eine Aufgabe dauerhaft mit besonderer Entscheidungsgewalt verbunden ist.
Wer die Karten liest, sollte nicht automatisch auch alle Züge bestimmen. Vereinbaren Sie, dass die Person am Zug die Entscheidung trifft, soweit die Spielregeln das zulassen. Die anderen dürfen vorher kurz Vorschläge machen. In der nächsten Runde wandert die Aufgabe weiter.
Diese Rollenverteilung ist eine praktische Empfehlung, keine wissenschaftlich geprüfte Methode gegen Streit. Beobachten Sie, ob sie Ihrer Runde hilft. Wenn ein Kind trotz wechselnder Aufgaben kaum zu Wort kommt, geben Sie ihm vor dem Zug ausdrücklich Gelegenheit, eine Idee zu äußern.
Legen Sie fest, wer entscheidet
Besprechen Sie vor Spielbeginn, ob die Gruppe gemeinsam über jeden Zug berät oder nur bei schwierigen Entscheidungen. Beides kann funktionieren, solange alle wissen, was gilt. Eine einfache Abmachung lautet: Vorschläge sind willkommen, Anweisungen an andere nicht. So bleibt Beratung möglich, ohne dass ein Kind die Entscheidungen der anderen übernimmt.
Fragen Sie, bevor Sie selbst einen Tipp geben: „Möchtest du einen Vorschlag hören oder erst selbst überlegen?“ Das ist besonders hilfreich, wenn Erwachsene oder ältere Geschwister die Regeln besser kennen. Wer Unterstützung möchte, bekommt sie; wer gerade selbst entscheiden will, erhält Raum dafür.
Wenn Sie uneinig sind, können Sie beide Vorschläge erst einmal sammeln: „Du möchtest die Figur nach links bewegen, und du schlägst rechts vor. Was spricht jeweils dafür?“ Danach entscheidet die Person am Zug oder die Gruppe nutzt eine vorher vereinbarte Abstimmung. Geben Sie dem Kind nicht nachträglich die Schuld für die gewählte Lösung, falls die Partie verloren geht.
Unterbrechen Sie Streit früh
Viele Streitigkeiten lassen sich mit einer kurzen Pause entschärfen. Wenn ein Kind den anderen vorschreibt, was sie spielen sollen, erinnern Sie ruhig an die Vereinbarung: „Du kannst deinen Vorschlag erklären. Entscheiden darf jetzt die Person am Zug.“ Damit schützen Sie das Mitspracherecht, ohne den Vorschlag selbst abzuwerten.
Machen Kinder einander für eine Niederlage verantwortlich, lenken Sie den Blick auf den gemeinsamen Spielverlauf: „Wir haben zusammen entschieden und gemeinsam verloren. Was möchten wir beim nächsten Zug anders versuchen?“ Vermeiden Sie es, eine Person zum Grund für das Scheitern zu erklären. Auch bei kooperativen Regeln können Kinder einander nach einer Niederlage die Schuld geben.
Wenn ein Kind nicht mehr mitspielen möchte, akzeptieren Sie eine Pause oder das Ende der Partie. Bei lautem oder persönlichem Streit unterbrechen Sie das Spiel und lassen Sie jedes Kind kurz erzählen, was passiert ist. Elternratgeber zur Konfliktbegleitung empfehlen, beiden Seiten zuzuhören und nicht vorschnell Partei zu ergreifen. Bei Schlagen, Verletzungen oder beschädigten Gegenständen greifen Sie sofort ein und sorgen zuerst für Sicherheit.