Bei kooperativen Brettspielen verfolgen alle dasselbe Ziel und gewinnen oder verlieren gemeinsam. Eine Studie ergab: Vorschulkinder mochten solche Spiele lieber als vergleichbare Spiele mit Gewinnern und Verlierern. Vielleicht trägt das gemeinsame Planen dazu bei. Außerdem steht die Niederlage einer einzelnen Person weniger im Mittelpunkt. Die Forschenden fragten die Kinder aber nicht, warum sie die Spiele mochten.
Das Ergebnis gilt nicht für jedes Kind und jedes Spiel: Manche Kinder mögen den Wettbewerb, andere gemeinsame Entscheidungen. Spielspaß, der Wunsch nach einer weiteren Runde und das Verhalten nach dem Spielen sind zudem verschiedene Dinge.
Wie Vorschulkinder kooperative Brettspiele bewerteten
Eriksson und Kollegen untersuchten 65 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren aus vier schwedischen Vorschulen. Die Kinder spielten in Vierergruppen kooperative oder kompetitive Brettspiele. Nach den Runden bewerteten sie ihren Spielspaß auf einer fünfstufigen Skala mit Smileys. Die Untersuchung lief über sechs Wochen; jedes Kind nahm im Durchschnitt an 6,2 Spielrunden teil.
Die Kinder bewerteten die kooperativen Spiele positiver. Bei diesen Spielen hing die Bewertung nicht davon ab, ob die Gruppe die Runde gewann oder verlor. Bei den kompetitiven Spielen machte der Ausgang dagegen einen Unterschied: Kinder hatten weniger Spaß, wenn sie verloren. Das deutet darauf hin, dass manche Kinder lieber gemeinsam ein Ziel verfolgen, als gegeneinander zu spielen, wobei eine Person verliert.
Die Studie zeigt eine Vorliebe in dieser Gruppe und bei den untersuchten Spielen. Sie belegt weder, dass alle Kinder kooperative Spiele lieber mögen, noch, dass allein die gemeinsame Zielsetzung den Unterschied erklärt.
Gemeinsam planen macht das Spiel lebendig
Kooperative Regeln geben Kindern einen Anlass, sich abzusprechen. Sie überlegen etwa gemeinsam, welchen Zug sie als Nächstes machen, welche Gefahr zuerst zählt oder ob sie ein knappes Spielrisiko eingehen. Für Kinder, die gern miteinander reden und Ideen ausprobieren, gehört dieses Planen zum Spielspaß.
Untersuchungen zu Aufgaben, bei denen Kinder gemeinsam sprechen und entscheiden, liefern einen indirekten Hinweis: Fünf- und Siebenjährige brachten bei kooperativen Aufgaben mehr Argumente vor und begründeten ihre Vorschläge ausgewogener als bei Aufgaben mit Wettbewerb. Dabei ging es nicht um Brettspiele. Die Forschenden maßen auch nicht, ob den Kindern eine Spielart besser gefiel. Die Ergebnisse zeigen daher eher, wie Kinder gemeinsam entscheiden, als warum sie kooperative Spiele wählen.
Ein gemeinsamer Erfolg unterscheidet sich von einem persönlichen Sieg. Wenn alle mitentscheiden und zum Ergebnis beitragen, teilen die Kinder die Anerkennung und lernen voneinander. Das könnte erklären, warum ihnen kooperative Spiele gefallen. Die Brettspielstudie hat diesen Grund jedoch nicht direkt gemessen.
Eine Niederlage trifft die Gruppe
In einem kooperativen Spiel scheitert die Gruppe gemeinsam, wenn sie das Ziel verfehlt. Das kann eine Niederlage weniger persönlich machen. In der Studie passte dazu, dass der Spielausgang bei kooperativen Spielen die Freude nicht beeinflusste, während Kinder kompetitive Runden nach einer Niederlage schlechter bewerteten.
Das bedeutet nicht, dass gemeinsame Niederlagen immer leichtfallen. Ein Kind kann sich auch dann ärgern, wenn die Gruppe verliert, besonders wenn es sich für den Ausgang verantwortlich fühlt. Für den Einstieg helfen Spiele, bei denen alle regelmäßig mitentscheiden und niemand lange ausscheidet. Eltern können nach einer Runde außerdem konkret fragen, welcher gemeinsame Zug gut funktioniert hat, statt nur das Ergebnis zu bewerten.
Spielspaß ist keine Sozialgarantie
Kooperative Spiele werden häufig mit mehr Hilfsbereitschaft oder weniger Streit verbunden. Bei mehreren Verhaltensweisen nach dem Spielen fand die Brettspielstudie keine Unterschiede zwischen den Spielarten. Dazu gehörten kooperatives Verhalten und prosoziales Verhalten, also Verhalten, das anderen zugutekommt. Die Kinder mochten die kooperativen Spiele lieber, wurden danach aber nicht messbar hilfsbereiter.
Andere Untersuchungen liefern einzelne Hinweise auf soziale Effekte. In einem Versuch mit Vier- bis Sechsjährigen teilten Kinder nach einem kooperativen Spiel mehr mit einer unbeteiligten Person. Bei sozialer Einbeziehung und beim anschließenden freien Spiel zeigte sich dieser Unterschied nicht. Solche Ergebnisse hängen davon ab, was genau gemessen wird und in welcher Situation die Kinder spielen.
Auch die untersuchte Gruppe war begrenzt: Sie bestand aus Vorschulkindern aus vier schwedischen Einrichtungen. Lehrkräfte hatten diese Kinder bereits als vergleichsweise kooperativ und hilfsbereit eingeschätzt. Deshalb ist offen, ob die Ergebnisse auch für ältere Kinder oder andere Gruppen gelten. Kooperative Brettspiele können gemeinsames Handeln üben, verändern das Sozialverhalten aber nicht automatisch.
Ein Brettspiel passend zum Kind auswählen
Achten Sie darauf, woran Ihr Kind Freude hat: am gemeinsamen Planen, am Wettstreit oder am Ausprobieren verschiedener Rollen. Ein kooperatives Spiel passt besonders dann, wenn Ihr Kind nach Niederlagen schnell die Lust verliert oder gern mit anderen über Züge berät. Ein kompetitives Spiel kann besser passen, wenn das Kind den direkten Vergleich spannend findet und mit wechselnden Ergebnissen gut umgeht.
Wichtig ist auch, ob die Kinder die Regeln verstehen und wirklich mitentscheiden können. Ein einfaches gemeinsames Ziel, etwa zusammen eine Aufgabe zu erledigen, macht die Kooperation sichtbar. Spielen Sie zunächst eine Runde mit und beobachten Sie, ob alle zu Wort kommen. Wenn ein Kind dauerhaft die Entscheidungen übernimmt, lohnt sich ein Spiel mit stärker verteilten Aufgaben oder klaren Zügen für jede Person.
Eine kleine Studie zu einem kooperativen Videospiel zeigt ebenfalls, dass Spielspaß und der Wunsch nach weiteren Runden nicht dasselbe sind: 20 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren bewerteten gemeinsames Wii-Tennis im Schnitt mit 9,3 von 10 Punkten, gegeneinander mit 8,3 Punkten. Der statistische Test belegte jedoch keinen verlässlichen Unterschied beim Wunsch, weitere Runden zu spielen. Da es dabei um ein aktives Videospiel statt um ein Brettspiel ging, ist das nur ein ergänzender Hinweis.