Bei den ersten Brettspielen üben Kinder zuzuhören, abzuwarten und nach Regeln zu handeln. Kooperative Spiele bieten dafür einen klaren Ablauf, der sich wiederholt: Alle arbeiten auf dasselbe Ziel hin und gewinnen oder verlieren gemeinsam.
Wenn die Kinder über den nächsten Zug sprechen, sehen sie, wie jede Person zum Spiel beiträgt. Es ist jedoch nicht gesichert, dass kooperative Spiele Kindern grundsätzlich schneller oder besser erste Regeln vermitteln als andere Spiele.
Eine klare Zugfolge wählen
Für den Anfang eignet sich ein Spiel, bei dem ein Zug aus wenigen, gut erkennbaren Handlungen besteht. Das Kind würfelt oder zieht eine Karte. Danach führt es die passende Aktion aus und gibt den Zug weiter. Durch die Wiederholung verknüpft das Kind die Regel mit einem konkreten Ablauf.
Ein Beispiel ist das kooperative Würfelspiel Obstgarten: Je nach Würfelbild pflücken die Kinder eine Frucht oder legen ein Teil des Rabenpuzzles. Die Gruppe versucht, alle Früchte einzusammeln, bevor das Puzzle fertig ist. Das Spiel veranschaulicht eine einfache Zugfolge und ein gemeinsames Ziel. Die Herstellerbeschreibung erklärt die Regeln und nennt die Ausstattung, sagt aber nichts über eine besondere Lernwirkung aus.
Auch die Spieldauer und die Zahl der Regeln zählen. Eine kurze Partie mit wenigen Handlungsschritten lässt sich leichter überblicken als ein Spiel, bei dem viele Sonderfälle auftreten. Die Altersangabe auf der Schachtel ist eine Orientierung. Entscheidend ist, ob das Kind den Ablauf verstehen und die Partie aufmerksam mitverfolgen kann.
Regeln vormachen und benennen
Erkläre deinem Kind zunächst nur, was es für den nächsten Zug wissen muss. Spiele einen Zug vor und sage dabei die Schritte: „Wir würfeln, machen den passenden Zug und geben dann weiter.“ So hört das Kind die Regel und sieht zugleich, wie sie angewendet wird.
Danach kann es selbst an die Reihe kommen. Wenn es stockt, hilft eine kurze Erinnerung: „Was machen wir bei diesem Bild?“ So denkt das Kind an die Regel und führt den Zug weiterhin selbst aus. Bei einem bekannten Spiel kannst du außerdem abwechselnd fragen, wer jetzt an der Reihe ist. Beim gemeinsamen Spielen von Memory kann das Kind ebenfalls Regeln in Erinnerung rufen und üben, sich mit den Zügen abzuwechseln.
Wenn das Kind das Spiel besser kennt, können Erwachsene weniger vorgeben. Warte kurz, bevor du hilfst, und gib deinem Kind Gelegenheit, den nächsten Schritt selbst zu nennen oder auszuführen. Bei Streit oder Unsicherheit solltest du weiterhelfen. Jedes Kind lernt solche Abläufe in seinem eigenen Tempo.
Das gemeinsame Ziel nutzen
Bei einem gemeinsamen Ziel können Kinder miteinander überlegen, welcher Zug der Gruppe hilft. Du kannst dazu eine konkrete Frage stellen: „Welche Frucht nehmen wir, bevor der Rabe weiterkommt?“ So kann die Gruppe den Zug besprechen, ohne dass die Suche nach der richtigen Strategie wichtiger wird als das Üben der Regeln.
Auch beim kooperativen Spielen kann Enttäuschung entstehen. Wenn ein Zug für die Gruppe ungünstig ausfällt, kannst du das Ergebnis gemeinsam benennen und anschließend nach der nächsten Regel handeln. Wenn das Kind ungeduldig wird oder den Überblick verliert, kürze die Partie oder wähle ein einfacheres Spiel. Vereinbare vor dem Start vereinfachte Regeln, damit alle wissen, wie gespielt wird.
Was Studien zu kooperativen Brettspielen zeigen
Die Forschung liefert keinen direkten Beleg dafür, dass kooperative Brettspiele Kindern das Erlernen erster Spielregeln erleichtern. Studien untersuchen eher soziale Verhaltensweisen, Aufmerksamkeit oder schulische Leistungen. Sie geben Hinweise darauf, was Kinder beim Spielen üben können. Sie beantworten aber nicht, wie schnell ein Kind die Abläufe eines Spiels beherrscht.
Eine schwedische Untersuchung mit 65 Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren verglich über sechs Wochen kooperative und wettbewerbsorientierte Brettspiele. Bei anschließenden Aufgaben zeigte sich kein Unterschied zwischen den Gruppen bei kooperativem, prosozialem oder antisozialem Verhalten. Die Kinder mochten die kooperativen Spiele stärker. Daraus lässt sich keine allgemeine Überlegenheit ableiten, und die Studie prüfte nicht gezielt das Lernen einfacher Spielregeln.
Eine Untersuchung mit älteren Schulkindern fand Hinweise darauf, dass Kinder, die ein kooperatives Spiel besonders gern spielten, sich besser in andere hineinversetzen konnten. Eine andere Studie zu Brettspielen im Grundschulunterricht berichtete Verbesserungen bei einzelnen Denk- und Lernleistungen, untersuchte aber nicht speziell kooperative Spiele. Die Befunde sind gemischt und lassen sich nur begrenzt auf jüngere Kinder übertragen.