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So gelingen kooperative Brettspiele in der Familie

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Bei kooperativen Brettspielen verfolgen alle dasselbe Ziel und gewinnen oder verlieren gemeinsam. Klare Absprachen geben allen Raum, zu Wort zu kommen, und verteilen Entscheidungen fair. Sie sorgen außerdem dafür, dass Unterstützung nicht in ungefragte Regie übergeht.

Vor dem Start abstimmen

Wählt das Spiel gemeinsam aus. Achtet darauf, dass Spieldauer, Regeln und Sprache für alle passen. Wer wenig Lust auf das Spiel hat oder sich von den Regeln überfordert fühlt, spielt kaum mit Freude mit. Erklärt neuen Mitspielenden kurz, was die Gruppe erreichen muss und was zum Sieg oder zur Niederlage führt.

Einigt euch außerdem auf eine einfache Gesprächsregel. Zum Beispiel:

  • Die Person am Zug überlegt zuerst selbst.
  • Nur auf Nachfrage bekommt die Person Tipps.
  • Vor einer gemeinsamen Entscheidung darf jede Person einmal einen Vorschlag machen.

Legt auch fest, dass eine Pause möglich ist. Gerade bei jüngeren Kindern hilft es, die Partie zu beenden, wenn die Konzentration nachlässt, statt aus dem Spiel eine Pflicht zu machen.

Entscheidungen fair verteilen

In manchen kooperativen Spielen liegen wichtige Informationen offen auf dem Tisch. Das erleichtert die gemeinsame Planung. Eine erfahrene Person kann dadurch aber auch alle Züge vorgeben. Dieses Verhalten nennt man „Quarterbacking“: Eine Person übernimmt die Spielleitung und sagt den anderen, was sie tun sollen. Wer helfen möchte, fragt deshalb zuerst: „Möchtest du einen Tipp oder lieber selbst entscheiden?“

Die Person am Zug entscheidet. Andere können ihre Ideen als Vorschlag formulieren: „Wir könnten die Figur zum Tor ziehen“ lässt mehr Raum als „Du musst zum Tor gehen“. Muss die Gruppe gemeinsam entscheiden, fragt reihum nach weiteren Ideen, bevor ihr euch festlegt. So kommen auch ruhigere Mitspielende zu Wort.

Jüngeren Kindern und Personen, die mit den Regeln noch nicht vertraut sind, hilft eine kurze Erklärung. Danach entscheidet wieder die Person, die am Zug ist. Erklärt die Möglichkeiten, statt den Zug für jemand anderen auszuführen.

Rollen wechseln lassen

Kleine Aufgaben strukturieren die Partie. Eine Person liest Karten vor, eine andere verwaltet die Spielsteine oder behält den Rundenablauf im Blick. Wechselt die Aufgaben regelmäßig, damit nicht immer dieselbe Person die angenehme oder einfache Aufgabe übernimmt.

Eine Rolle verleiht kein zusätzliches Entscheidungsrecht. Wer Karten vorliest, bestimmt dadurch nicht automatisch die Strategie. Passt die Aufgabe an die Fähigkeiten und Vorlieben der Mitspielenden an: Ein Kind, das noch nicht lesen möchte, kann zum Beispiel Marker bewegen. Wer gerade keine feste Aufgabe übernehmen will, sollte ebenfalls mitspielen können.

Es gibt keine feste Regel dafür, wie Familien Rollen und Aufgaben verteilen sollten. Behandelt sie als praktische Vereinbarung und ändert sie, wenn jemand zu wenig zu tun hat oder sich übergangen fühlt.

Streit und Frust auffangen

Eine Niederlage bedeutet nicht, dass jemand schlecht gespielt hat. Schaut gemeinsam auf die Regeln und die getroffenen Entscheidungen, statt einer Person die Schuld zu geben. Ein hilfreicher Rückblick kann sich auf konkrete Beiträge richten: Welche Idee hat der Gruppe geholfen? Welche Möglichkeit habt ihr übersehen? So geht es um die gemeinsame Partie und nicht um die Leistung eines einzelnen Kindes.

Wenn die Stimmung kippt, macht eine Pause oder beendet das Spiel. Eine Partie muss nicht harmonisch enden, um gemeinsame Zeit gewesen zu sein. In Interviews mit Kindern, Eltern und Großeltern beschrieben Familien Brettspiele als Anlass für Austausch und Freude; Kinder berichteten zugleich häufiger von Ärger als die Erwachsenen. Freude und Frust können also nebeneinanderstehen.

Was Studien zu kooperativen Spielen zeigen

Studien mit Vorschulkindern belegen nicht eindeutig, dass kooperative Spiele dauerhaft Fairness oder soziale Fähigkeiten fördern. In einer schwedischen Studie mit 65 Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren zeigten sich nach mehreren Wochen keine Unterschiede zwischen kooperativen und kompetitiven Spielen. Das galt sowohl für das gemeinsame Verhalten als auch dafür, wie oft die Kinder anderen halfen. Im Durchschnitt mochten die Kinder die kooperativen Spiele lieber.

In einem anderen Experiment teilten Kinder nach einer kooperativen Partie mehr mit Personen, die nicht mitgespielt hatten, als nach einem Wettbewerbsspiel. Bei den anderen untersuchten Verhaltensweisen zeigte sich kein Unterschied. Beide Untersuchungen fanden mit Kindern außerhalb ihrer Familien statt. Sie zeigen daher nicht direkt, wie fair Familien beim Spielen entscheiden. Die Ergebnisse sprechen für eine vorsichtige Einschätzung: Gemeinsames Spielen kann Freude und Austausch ermöglichen. Mitbestimmung hängt vor allem davon ab, wie die Familie miteinander spielt.