Bei kooperativen Brettspielen verfolgen alle Kinder dasselbe Ziel und gewinnen oder verlieren gemeinsam. Sie sammeln etwa Früchte, bevor der Rabe den Obstgarten erreicht. Für Vorschulkinder eignen sich Spiele mit wenigen, gut sichtbaren Regeln, kurzen Wartezeiten und Aufgaben, an denen alle mitwirken können.
Dabei üben Kinder, sich abzuwechseln und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Streit verhindern solche Spiele nicht automatisch; dass sie Kinder grundsätzlich sozialer machen, ist nicht nachgewiesen. Wichtig sind ein passender Spielablauf und eine geeignete Spieldauer. Bei Bedarf unterstützt eine erwachsene Person.
Spielmechaniken für Vorschulkinder
Ein leicht verständlicher Zugablauf hilft Kindern, dem Spiel zu folgen. Zum Beispiel würfelt ein Kind, nimmt eine Frucht in der passenden Farbe und gibt den Würfel weiter. Rückt der Rabe bei einem bestimmten Würfelbild näher, sehen die Kinder, was ihr Zug bewirkt und wie nah der Rabe dem Ziel ist.
Auch das gemeinsame Ziel sollte sich aus den Regeln ergeben. Bei First Orchard sammeln die Mitspielenden Früchte, bevor der Rabe den Obstgarten erreicht. Die Spielanleitung nennt eine Spieldauer von ungefähr zehn Minuten und eine Altersangabe ab zwei Jahren. Das Kind würfelt, nimmt eine Frucht in der passenden Farbe oder bewegt den Raben. Die Herstellerangaben helfen bei der Vorauswahl, sagen aber nicht voraus, ob das Spiel für jedes Kind im angegebenen Alter passt.
Für ältere oder spielerfahrene Vorschulkinder kommt mehr gemeinsames Überlegen infrage. In Outfoxed! sammeln die Spielenden Hinweise und schließen Verdächtige aus, bevor der Fuchs entkommt. Dieses Vorgehen heißt Deduktion: Aus den Hinweisen schließen die Spielenden, welcher Verdächtige am ehesten infrage kommt. Der Hersteller nennt für die beschriebene Ausgabe eine Altersangabe ab fünf Jahren und eine Spieldauer von rund 20 Minuten. Kinder sollten dabei Gelegenheit bekommen, selbst Hinweise zu deuten und Vorschläge zu machen.
Regeln verständlich erklären
Erklären Sie vor dem Start das Ziel und den Ablauf eines einzelnen Zuges. Zeigen Sie anschließend an einem Beispiel, was ein Symbol oder eine Aktion bedeutet. So muss ein Kind nicht alle Sonderregeln im Voraus behalten. Eine sichtbare Reihenfolge, etwa ein Gegenstand, der nach jedem Zug weitergegeben wird, macht außerdem klar, wer als Nächstes an der Reihe ist.
Vorschulkinder lernen nach und nach, sich abzuwechseln und zu teilen. Gerade jüngere Kinder brauchen dabei oft Unterstützung. Erinnern Sie freundlich an die Reihenfolge und helfen Sie, wenn zwei Kinder gleichzeitig handeln möchten. Sie können den ersten Zug vormachen und danach die Entscheidung dem Kind überlassen, soweit die Regeln Spielraum dafür lassen.
Wenn die Partie für die Gruppe zu lang oder zu schwierig ist, sprechen Sie vor dem Start eine Änderung ab. Sie können zum Beispiel eine kürzere Runde spielen oder eine Regel vereinfachen. Sprechen Sie die Änderung offen aus, damit alle wissen, welche Regel gerade gilt. Unbemerkte Änderungen während des Spiels machen den Ablauf für Kinder schwerer nachvollziehbar.
Wartezeiten und Mitmachen
Ein kurzes Spiel sorgt nicht automatisch dafür, dass alle durchgehend mitmachen. Wenn ein Kind lange darauf wartet, dass die anderen spielen, verliert es leichter den Anschluss. Achten Sie deshalb darauf, ob alle den gemeinsamen Spielstand verfolgen und etwas zum nächsten Zug beitragen können. Ein Kind kann etwa mit überlegen, welches Feld wichtig ist, oder die Gruppe daran erinnern, wie weit sie schon gekommen ist.
Beginnen Sie nach Möglichkeit mit einer kleinen Runde und beobachten Sie, wie lange die Kinder beteiligt bleiben. Ein kalifornischer Bildungsrahmen bietet eine Orientierung für pädagogische Gruppensituationen. Das ist keine feste Grenze für Brettspiele oder für jedes einzelne Kind. Wenn die Aufmerksamkeit deutlich nachlässt, ist eine Pause oder ein früheres Ende sinnvoll.
Achten Sie auch darauf, wer die Entscheidungen trifft. Bei kooperativen Spielen kann eine erwachsene Person leicht alle Züge planen, während das Kind nur die Spielfigur bewegt. Fragen Sie stattdessen, welche Möglichkeit das Kind wählen möchte, und lassen Sie unterschiedliche Vorschläge zu. Ein Kind kann aussteigen, obwohl es kooperationsbereit ist. Lange Wartezeiten oder viele Regeln können dazu beitragen; ebenso kann das Interesse nachlassen.
Ein kooperatives Brettspiel auswählen
Die Altersangabe auf der Schachtel ist ein erster Anhaltspunkt. Prüfen Sie zusätzlich, ob das Kind die Symbole versteht, einfache Entscheidungen treffen und kurz warten kann. Große, gut greifbare Teile und erkennbare Spielaktionen erleichtern den Einstieg, sind aber keine Garantie dafür, dass ein Spiel dem Kind gefällt.
In einer kleineren Runde lassen sich Züge und Gespräche leichter verfolgen. Bei mehreren Kindern lohnt sich ein Spiel, bei dem alle den Fortschritt sehen und während der Züge anderer mitdenken können. Eine Partie, in der jedes Kind lange auf den eigenen Zug warten muss, passt weniger gut zu einer Gruppe, die gerade erst das Abwechseln übt.
Probieren Sie das Spiel gemeinsam aus und achten Sie darauf, ob das Kind die nächste Aktion versteht und eigene Entscheidungen trifft. Wenn es den Ablauf wiederholt vergisst, erklären Sie den Zug erneut oder wählen Sie zunächst eine einfachere Variante. Wenn es die Regeln mühelos beherrscht, aber wenig zu entscheiden hat, passt ein Spiel mit mehr gemeinsamer Planung womöglich besser.
Was Studien über Kooperation zeigen
Die Forschung liefert kein allgemeines Versprechen, dass kooperative Brettspiele das Verhalten von Kindern außerhalb des Spiels verbessern. In einer schwedischen Studie spielten 65 Kinder zwischen vier und sechs Jahren sechs Wochen lang wiederholt kooperative oder wettbewerbsorientierte Brettspiele. Bei anschließenden Aufgaben zeigte sich kein klarer Unterschied im kooperativen, prosozialen oder antisozialen Verhalten. Die Kinder mochten die kooperativen Spiele stärker.
Eine deutsche Laborstudie mit 96 Kindern zwischen vier und sechs Jahren fand nach einem eigens entwickelten kooperativen Geschicklichkeitsspiel mehr geteilte Sticker als nach der wettbewerbsorientierten Variante: im Mittel 4,33 gegenüber 2,90. Bei der Einbeziehung anderer Kinder und im beobachteten freien Spiel zeigten sich keine entsprechenden Unterschiede. Der Befund zu einer bestimmten Aufgabe und einem einzelnen Verhalten belegt nicht, dass Brettspiele allgemein Empathie fördern oder Streit verhindern.
Im Familienalltag heißt das: Kooperative Spiele geben Kindern Gelegenheit, gemeinsam zu handeln und zu sprechen. Ob sie sich dabei wohlfühlen und beteiligt bleiben, hängt auch von der konkreten Spielmechanik, der Gruppe und der Unterstützung durch Erwachsene ab.