Kooperative Brettspiele haben ein gemeinsames Ziel: Alle gewinnen oder verlieren zusammen. Ob ein Spiel zur Runde passt, hängt nicht allein von der Altersangabe ab. Wichtig sind auch die Spieldauer, die Entscheidungen im Spiel und ob alle regelmäßig mitspielen können.
Gemeinsames Spielen kann Spaß machen. Brettspiele fördern soziale Fähigkeiten jedoch nicht nachweislich. Wählen Sie ein Spiel, dessen Regeln und Aufgaben zu den Kindern am Tisch passen.
Alter und Spielanforderungen prüfen
Die Altersangabe des Herstellers ist ein guter erster Hinweis, sagt aber nicht sicher, ob das Spiel passt. Entscheidend ist, was Kinder dabei tun: Farben zuordnen, Karten lesen, sich Hinweise merken, Absprachen treffen oder mehrere Züge vorausplanen. Überlegen Sie, welche Aufgaben die Kinder gern übernehmen und wobei sie noch Hilfe brauchen.
Auch die konkrete Ausgabe des Spiels ist wichtig. HABA gibt für Meine ersten Spiele – Erster Obstgarten ein bis vier Personen und etwa zehn Minuten Spieldauer an. Die Kleinkind-Ausgabe enthält unter anderem große Holzfrüchte, die Kinder einfach zuordnen. Sie ist ein Beispiel für einen einfachen Einstieg. Das sagt aber nicht voraus, ob jedes Kind damit zurechtkommt.
Prüfen Sie bei jüngeren Kindern auch die Warnhinweise zu den Spielteilen. KOSMOS weist bei Andor Junior zum Beispiel darauf hin, dass Kleinteile für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet sind. Beachten Sie die Angaben auf der jeweiligen Spielausgabe.
Spieldauer und Wartezeiten abgleichen
Mit der angegebenen Spieldauer können Sie besser planen, wann eine Partie in den Familienalltag passt. Achten Sie auch darauf, wie lange Kinder zwischen ihren Zügen warten und ob sie in dieser Zeit beteiligt bleiben. In manchen Spielen entscheiden alle gemeinsam. In anderen führt jede Person einzelne Aktionen aus.
Die offiziellen Angaben zeigen die Unterschiede bei der Spieldauer: Erster Obstgarten dauert etwa zehn Minuten, Magic Maze Kids ungefähr 15 Minuten und Andor Junior 30 bis 45 Minuten. Diese Angaben gelten für die genannten Ausgaben. Sie sagen nicht genau, wie lange ein Kind konzentriert mitspielt. Bricht eine Partie regelmäßig ab, passt vielleicht ein kürzeres Spiel oder eine Variante mit weniger Regeln besser.
Auf die Art der Zusammenarbeit achten
„Kooperativ“ heißt zunächst, dass alle gemeinsam eine Aufgabe lösen oder gegen das Spiel antreten. Wie die Kinder dabei zusammenarbeiten, ist von Spiel zu Spiel verschieden. Sie können gemeinsam einen Weg finden, sich Hinweise merken oder Figuren bewegen. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob den Kindern die jeweilige Aufgabe liegt.
Bei Magic Maze Kids können zwei bis vier Personen ab fünf Jahren mitspielen. Alle dürfen die Figuren bewegen, aber jede Person ist nur für eine Bewegungsrichtung zuständig. Damit die Gruppe Erfolg hat, müssen die Kinder ihre Möglichkeiten abstimmen. Laut der Spiel-des-Jahres-Jury kommen neue Regeln schrittweise hinzu. Das Spiel zeigt, wie Regeln Zusammenarbeit nötig machen können, statt sie nur zum Thema zu haben.
Manche Kinder mögen gemeinsame Rätsel und Absprachen. Andere möchten lieber selbst über ihre Figur oder Karten entscheiden. Achten Sie darauf, woran Ihre Kinder Freude haben. Auch bei einem kooperativen Spiel kann es Streit geben, zum Beispiel wenn ein Kind ständig die Züge der anderen bestimmt oder die Gruppe gemeinsam verliert.
Beteiligung aller Kinder prüfen
Die angegebene Spielerzahl sollte zur Runde passen. Überlegen Sie auch, ob jedes Kind Vorschläge machen und regelmäßig selbst entscheiden kann. Gibt ein älteres Kind oder ein Erwachsener immer den besten Zug vor, bleibt den anderen wenig Raum zum Mitdenken.
Die Regeln zeigen vor dem Kauf, ob die Kinder verschiedene Aufgaben oder Möglichkeiten zum Handeln haben. Müssen sie sich absprechen? Treffen sie Entscheidungen gemeinsam oder führt eine Person die Gruppe weitgehend allein? Diese Fragen helfen bei der Auswahl. Sie garantieren nicht, dass alle am Tisch gleich viel Einfluss haben.
Drei kooperative Brettspiele im Überblick
| Spiel und Ausgabe | Offizielle Angaben | Wofür es als Beispiel dient |
|---|---|---|
| Meine ersten Spiele – Erster Obstgarten von HABA | 1–4 Personen, etwa 10 Minuten | Einfaches gemeinsames Ziel und Zuordnungsaufgaben für jüngere Kinder |
| Magic Maze Kids | Ab 5 Jahren, 2–4 Personen, etwa 15 Minuten | Zusammenarbeit durch unterschiedliche Bewegungsmöglichkeiten und schrittweise eingeführte Regeln |
| Andor Junior von KOSMOS | 2–4 Personen, 30–45 Minuten | Längeres Abenteuerformat; Kleinteilehinweis für Kinder unter drei Jahren beachten |
Die Angaben gelten für die genannten Spielausgaben. Die Beispiele zeigen unterschiedliche Spiele und sind keine Rangliste. Auch eine Empfehlung der Spiel-des-Jahres-Jury ersetzt nicht den Abgleich mit Alter, Interessen, Spielerzahl und verfügbarer Zeit. Die Jury bewertet unter anderem Regeln, Material und Umsetzung der Spielidee. Sie weist selbst darauf hin, dass kein Spiel zu jeder Runde gleich gut passt.
Was Studien zu kooperativen Brettspielen zeigen
Studien zu kooperativen Brettspielen bei jüngeren Kindern kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. In einer Studie spielten 65 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren sechs Wochen lang kooperative oder kompetitive Spiele. Danach fanden die Forschenden bei mehreren Messungen des sozialen Verhaltens keine Unterschiede. Die Kinder bewerteten die kooperativen Spiele positiver, unabhängig davon, ob sie gewonnen oder verloren hatten. Nach kompetitiven Spielen zeigte sich ein Unterschied beim Wettbewerbsverhalten. Wegen der unzuverlässigen Messung konnten die Forschenden diesen Unterschied jedoch schwer einordnen.
In einer weiteren Studie mit 96 Kindern im Alter von vier bis fünf Jahren teilten die Kinder nach einem kooperativen Spiel häufiger mit unbeteiligten Personen als nach einem kompetitiven Spiel. Bei der Einbeziehung anderer zeigte sich kein solcher Unterschied. Das deutet auf einen möglichen Effekt bei einem bestimmten Verhalten hin, nicht auf einen allgemeinen Vorteil in allen sozialen Situationen.
Auch zu Brettspielen, die im Handel erhältlich sind, gibt es nur wenige Forschungsergebnisse. Kooperative Spiele passen, wenn die Kinder gemeinsam knobeln oder persönlichen Wettbewerb vermeiden möchten. Sie sind aber keine verlässliche Methode, um Teamfähigkeit zu trainieren oder Frust und Konflikte zu verhindern.