Bei kooperativen Brettspielen mit Zuordnungsaufgaben sehen Kinder einen Hinweis und suchen das passende Teil, zum Beispiel eine Frucht in der Farbe des Würfels. Alle verfolgen dasselbe Ziel. Die einfachen Spielzüge machen jüngeren Kindern den Einstieg oft leichter.
Beim Spielen können Kinder sich abwechseln, gemeinsam entscheiden und Farben oder Formen zuordnen. Allein dadurch ist nicht belegt, dass Kinder etwas lernen oder sich weiterentwickeln. Wichtig sind verständliche Regeln, passende Spielteile und Unterstützung, wenn sie nötig ist.
So funktioniert die Zuordnung
Eine einfache Zuordnungsaufgabe verbindet zwei Dinge, die sichtbar zusammengehören. Das Kind sieht zum Beispiel eine Farbe auf einer Karte und sucht ein gleichfarbiges Feld auf dem Spielbrett. Oder es ordnet eine Form ihrem passenden Platz zu. Die Regel lässt sich oft direkt am Material zeigen: Karte ansehen, passendes Teil finden, Zug ausführen.
Jüngere Kinder können mitspielen, ohne vorher viele Regeln behalten oder lesen zu müssen. Kurze, wiederkehrende Züge helfen ihnen außerdem zu erkennen, was als Nächstes passiert. Eine erwachsene Person kann einen Zug vormachen und die Auswahl zunächst auf wenige Teile begrenzen.
Zuordnen und Benennen sind dabei nicht dasselbe. Ein Kind findet möglicherweise eine Frucht in der passenden Farbe, ohne den Farbnamen sicher sagen zu können. Eine Untersuchung mit 43 Kindern zwischen zwei und fünf Jahren fand Unterschiede im Farbverständnis, die unter anderem mit Alter, Sprachentwicklung und der gestellten Aufgabe zusammenhingen. Ein gutes Spiel verlangt daher nicht unbedingt, dass das Kind Farben schon selbstständig benennt.
Was das gemeinsame Ziel verändert
Wenn alle gemeinsam gegen ein Spielelement antreten, gewinnt keines der Kinder allein. Die Gruppe kann zusammen überlegen und sich über einen gemeinsamen Erfolg freuen. Das nimmt den direkten Wettbewerb um den ersten Platz aus der Runde, verhindert aber nicht automatisch Frust, Streit oder Enttäuschung.
Bei der gemeinsamen Aufgabe können Kinder sich absprechen und zusammen handeln. Wie gut das gelingt, hängt auch davon ab, wie viel ein Kind schon warten, zuhören und Entscheidungen mittragen kann. Bei sehr jungen Kindern hilft es, wenn Erwachsene die Züge ruhig begleiten und einfache Wahlmöglichkeiten anbieten, ohne jeden Zug für das Kind zu bestimmen.
Drei Spiele als Beispiele
Bei My Very First Games – First Orchard von HABA würfelt ein Kind eine Farbe und nimmt eine Frucht in dieser Farbe vom Baum. Ein Korbsymbol erlaubt die Wahl einer beliebigen Frucht. Zeigt der Würfel den Raben, rückt dieser auf dem Weg zum Obstgarten vor. Alle gewinnen, wenn sie die Früchte vorher eingesammelt haben; erreicht der Rabe den Obstgarten zuerst, verliert die Gruppe gemeinsam. Für die US-Ausgabe nennt HABA ein Mindestalter von zwei Jahren, ein bis vier Personen und etwa zehn Minuten Spielzeit. Das sind Herstellerangaben zur Produktversion. Das Kind ordnet eine Farbe einer Frucht zu und macht kurze Züge mit Fruchtteilen.
My Very First Games – Teddy’s Colors and Shapes, ebenfalls von HABA, setzt auf Farben und Formen. Die Herstellerbeschreibung der US-Ausgabe nennt fünf Farben, vier Formen und zwei Spielvarianten. Kinder können auch Formen zuordnen, nicht nur Farben. Eine Form als Erkennungsmerkmal kann besser passen, wenn ein Kind Farben noch nicht sicher unterscheidet.
In Hoot Owl Hoot! von Peaceable Kingdom spielen alle gemeinsam, um Eulen zum Nest zu bringen. Eine ausgespielte Farbkarte gibt vor, auf welches freie Feld eine Eule ziehen darf. Die Mitspielenden können zusammen überlegen, welche Eule sie bewegen. Die Anleitung beschreibt drei Spielstufen mit drei, vier oder sechs Eulen. Im Vergleich zu einer einzelnen Farbzuordnung kommt hier also eine kleine gemeinsame Planungsentscheidung hinzu.
Was Studien zu kooperativen Brettspielen zeigen
Die Studien zu kooperativen Brettspielen zeigen einzelne Effekte, aber kein allgemeines Versprechen, dass solche Spiele Kinder dauerhaft sozialer machen. In einer deutschen Untersuchung von 2019 spielten 96 Kinder zwischen vier und fünf Jahren in Zweiergruppen kooperativ, gegeneinander oder allein. Nach zehn Minuten Spielen teilten Kinder aus der kooperativen Gruppe im Mittel 4,33 Aufkleber mit einem unbekannten Kind. In der wettbewerblichen Gruppe waren es 2,90. Als untersucht wurde, ob die Kinder eine dritte Person einbezogen, zeigte sich kein entsprechender Unterschied. Auch beim späteren freien Spiel gab es keinen solchen Unterschied.
Eine schwedische Vorschulstudie mit 65 Kindern zwischen vier und sechs Jahren untersuchte Brettspielrunden über sechs Wochen. Bei späteren Beobachtungen dazu, wie kooperativ, hilfsbereit oder antisozial die Kinder sich verhielten, fand sie keinen Unterschied zwischen den kooperativen und wettbewerblichen Spielbedingungen. Die Kinder mochten die kooperativen Spiele stärker. Die Ergebnisse beziehen sich auf bestimmte Spiele, Kinder und Messungen. Sie belegen nicht die Wirkung von Zuordnungsspielen für Zweijährige.
Hier gibt es keine unabhängigen Untersuchungen dazu, welche Wirkung die genannten Produkte haben. Angaben zu Alter, Spieldauer oder angesprochenen Fähigkeiten stammen von den Herstellern. Sie helfen bei der Orientierung, ersetzen aber nicht die Einschätzung, ob die Regeln und Teile zum eigenen Kind passen.
Das passende Spiel auswählen
Achte darauf, ob das Kind die Aufgabe anhand des Materials verstehen kann, auch wenn es die verwendeten Wörter noch nicht sicher kennt. Wenn die Regel mehrere Schritte verlangt, zeige zuerst einen Zug und lass das Kind anschließend selbst eine passende Karte oder ein Spielteil auswählen. Bei Farben lässt sich die Auswahl vereinfachen, indem du auf die Farbe zeigst, statt das Kind zum Benennen aufzufordern.
Wichtig sind auch die Spieldauer und die Zahl der Wahlmöglichkeiten. HABA nennt für die US-Ausgabe von First Orchard etwa zehn Minuten und für Teddy’s Colors and Shapes fünf Minuten. Solche Herstellerangaben geben eine grobe Orientierung; die tatsächliche Spieldauer hängt davon ab, wie die Kinder spielen. Für den Einstieg eignet sich eine Variante, in der das Kind nur wenige Teile vergleichen muss. Wenn es die Zuordnung sicher schafft, kann die Runde mehr Auswahl oder eine gemeinsame Entscheidung enthalten.